Restauration Yamaha XJ650 Turbo

(Teil 4)

 
     
 


Optimal belüftete 'Spritzkabine', leistungsfähiger 'Staubabzug' und  daneben ein einsatzbereiter Grill: Definitiv mein Lieblingsplatz für alle anstehenden Schleif und Lackierarbeiten!

 
     
 

Fortsetzung von Teil 3 ....

 
     
 

Kosmetik im äusseren Bereich
Von den ausstehenden Arbeiten aus dem letzten Bericht konnten die meisten Punkte mit teils mehr und teils weniger Mühe erledigt werden. Weiter kam hinzu dass zu dieser Zeit  im Internet eine Frontscheibe aus Kanada angeboten wurde, welche noch vollständig intakt und abgesehen von dem Kantenschutz in einem guten Zustand erschien. Diese Gelegenheit auf eine bessere  Durchsicht wollt ich mir nicht entgehen lassen und so liess ich sie mir kurz entschlossen anliefern.

 
 


Ein aufgeschnittener Gummischlauch aus dem Fachhandel kombiniert mit Sekundenkleber: Ein günstiger und gutaussehender Kantenschutz mit optimalen Eigenschaften für die 'neue' Frontscheibe.

 
     
 

Nach der Kantenschutzreparatur und intensiver Bearbeitung  mit einer Polierpaste welche für die Behandlung von überstrapazierten Smartphonedisplays auf den Markt gebracht wurde, konnte die Scheibe montiert und das Resultat als optischen Erfolg verbucht werden. 

 
 


Die frisch polierte Frontscheibe bietet nun auch wieder die erwünschte Durchsicht.

 
     
 

Nicht nur schwieriger sondern vor allem viel schmieriger gestaltet sich derweil das Wiederherstellen der Rückspiegelummantelungen aus schwarzem Gummi. Immerhin konnten in einem ersten Arbeitsgang die gerissen Stellen wieder verklebt werden. Allerdings werden die Teile noch eine kosmetische Nachbehandlung benötigen bevor sie montiert werden können. Langfristig wird Ersatz benötigt, diesen aber zu finden gestaltet sich wie bei allen Gummiteilen als sehr schwierig. Auf jeden Fall habe ich trotz täglichem Suchen im Internet keinen entsprechenden Ersatz gefunden.

 
 


Ein neuer Gummischutz der vorderen Rückspiegel ist kaum mehr aufzutreiben: Schmierig, klebrig und wochenlang schwarz eingefärbte Fingerkuppen.

 
     
 

Reparatur diverser Verschalungsteile
Dann sind da natürlich noch die defekten Teile der Verschalung. Besser als erwartet gelingt die Reparatur des Verschalungsteils welcher sich unter dem Sattel befindet. Obwohl ich auf dem Internet einen Ersatzteil gekauft und erhalten habe, entschloss ich mich den originalen Teil zu reparieren. Bei diesem waren zwar alle (!) Befestigungslaschen gebrochen (und verloren) aber der Gesamteindruck gefiel mir letztlich besser als bei demjenigen den ich aus England angeliefert bekam.
 

 
 

Hier eine kleine Reparaturanleitung:

 
   
       
 

1)

 

Für jede fehlende Lasche aus 3 mm Alublech eine individuelle passende Lasche mit ca. 9 mm Bohrung anfertigen

       
 

2)

 

Alle Laschen mit Sekundenkleber an der vorgesehenen Position befestigen. Dann auf dem Motorrad die Passkontrolle ausführen und dabei darauf achten dass sich der Verschalungsteil ohne Spannungen befestigen lässt. Gegebenenfalls die Laschen wieder ablösen und neu an korrekter Position ankleben.

       
 

3)

 

Die Laschen nun beidseitig und mehrschichtig mit in Epoxiharz getränkter Glasfasermatte überkleben.

       
 

4)

 

Nach vollständiger Aushärtung die Überreste der Glasfasermatte abschleifen und die Bohrungen wieder nachbohren (Achtung: Darauf achten dass der Bohrer so geschliffen wird dass er das spröde Material nicht hineinzieht).

       
 

5)

 

Den Kunststoffrahmen nach weiteren Brüchen oder Beschädigungen absuchen.

       
 

6)

 

Wenn immer möglich von der Innenseite her reparieren. Dies erspart zusätzliche Spachtel- und Schleifarbeit.

       
 

7)

 

An gut gelüfteter Stelle den Rahmen erst mit Füllprimer und dann mit dem passenden Silbermetallic-Farbton überspritzen.

       
 

8)

 

Zuletzt einen Klarlack aufbringen. Darauf achten dass mindestens der Klarlack zum Schluss aus 2-Komponenten Sprühmittel besteht.

       
 

9)

 

Zu guter Letzt kann der Rahmen wieder montiert werden. Ich habe zur besseren Dämpfung noch vier 1 mm Schaumstoffstücke an den Befestigungspunkten zwischen Motorradrahmen und  Verschalungsteil.

       
 

Ähnlich war das Vorgehen auch beim Spoiler welcher vorne unten, zwischen Vorderrad und Motor befindet. Dieser war unten links abgebrochen so dass die Schraubverbindung nicht mehr gegeben war. Und so sieht in diesem Fall eine mögliche Reparaturvariante aus:

 
   
     
       
 

1)

 

Gebrochener Seitenteil und Spoiler mit Araldit verleimen. Natürlich alles zuerst sauber putzen und die Klebestellen mit Schmirgelpapier aufrauen. Für die Klebung habe ich beide Seitenteile montiert und den Spoiler am rechten – noch intakten- Seitenteil befestigt. So konnte ich die Klebung links ausführen ohne dass später Spannungen an den Verschalungsteilen auftreten werden. 

       
 

2)

 

Nach vollständiger Trocknung der Klebestelle die Bruchstelle mit Plastikspachtel ausbessern und danach überstehendes Material abschleifen. Die Schleifpapierkörnung ständig bis mindestens 800 verkleinern.

       
 

3)

 

Entweder den kompletten Teil neu Spritzen oder - wie auf dem Bild - die nicht zu spritzenden Flächen abkleben. Danach mit Füllprimer die angeschliffenen Flächen überdecken.

       
 

4)
 

Nach Austrocknung des Füllprimers mit der passenden Silbermetallic-Farbe die betroffenen Stellen überspritzen. Hier braucht es ein bisschen Fingerspitzengefühl um die Spritzfarbe in die bestehende Lackierung auslaufen zu lassen.

       
 

5)

 

Zuletzt kommt wieder der 2-K Klarlack zu Einsatz. Dieser kann nun über den gesamten Teil gespritzt werden. Nicht vergessen alle Spritzflächen vorgängig mit Silikonentferner zu reinigen. Wenn der Lack vollständig getrocknet ist können die farblichen Übergangsstellen mit normaler Politur etwas ausgeglichen werden. 

       
 

Finish
Nun aber naht unweigerlich der Moment wo das Motorrad für die amtliche Prüfung und die Sommersaison bereit ist. Noch müssen natürlich die Rückspiegel und vorderen Blinker wieder montiert werden und dem Auge zuliebe alle Kleber angebracht werden. Zudem gibt es auch noch zwei neue Reifen und dann….?? Langsam aber sicher fällt mir nichts mehr Neues ein….!

 
 


Neues Emblem an der Frontverkleidung und neues Klebeset aus Kanada: Alles was es für's Yamaha -Gemüt braucht

 
     
 

Zwischenstand 21.04.2014

 
     
 

Ach so… ja doch! Eine neue Bereifung musste natürlich noch her. Deshalb nochmals beide Räder abmontieren und in die Garage bringen. Dann noch die letzten Grafikkleber an der Vorderverschalung anbringen und… fertig ist der Töff.

 
 


Für die letzten Detailarbeiten vor der Zulassungsprüfung wurden nochmals einige Teile abmontiert. So auch die beiden Räder welche neu bereift werden müssen.

 
     
 


Jetzt reicht’s aber: Die Turbo ist nun bereit und erwartet den Termin für die Verkehrsprüfung. Welch eine Wandlung seit der Anlieferung im September 2013.

 
     
 

Am 07. Mai 2014 ist es dann soweit: Die XJ650 Turbo besteht die technische Prüfung beim Strassenverkehrsamt ohne die kleinste Beanstandung. Weil das Datum der ersten Inverkehrsetzung ‚erst’ 29 Jahre her ist wird ihr zwar der Veteranenstatus verweigert, aber das tut der Freude keinen Abbruch. Spätestens in zwei Jahren, wenn die nächste Prüfung ansteht, sollte sie diese Hürde problemlos schaffen.

 
 


Noch blieben wichtige Kleinigkeiten zur Verbesserung der Leistung und Fahreigenschaften. So auch die Vergasersynchronisation mit dem 4-fach Manometer.

 
     
 

Die nachträgliche Widerstandsmessung von Zündspule und -stecker ergab folgende Werte:

Stecker 1: 7.3 kOhm
Stecker 4: 8.6 kOhm
Zündspule 1-4 sec: 12.1 kOhm
Zündspule 1-4 pri: 2.8 Ohm

Stecker 2: 4.3 kOhm
Stecker 3: 5.1 kOhm
Zündspule 2-3 sec: 11.6 kOhm
Zündspule 2-3 pri: 2.9 Ohm

Nun konnte es mit dem Fahren richtig losgehen…. und tatsächlich: Das Motorrad ist wirklich etwas Spezielles, hat einen eigenen Charakter und erhebliches Suchtpotential.

 
     
 

Abschluss, 29.05.2014